Wir gehen baden

...und mit uns die Kultur

Das Filmfest München beginnt.
Überall Parties, rote Teppiche, Champagner und Bussibussi.
Warum eigentlich? Was gibt es zu feiern?

  • die Quote... die als einziger Maßstab noch Geltung hat, auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern?
  • die Billigproduktionen… die immer mehr zum Standard werden.
  • den Kostendruck... der dazu führt das Schauspieler Reise-, Übernachtungs- und Castingkosten inzwischen häufig selbst tragen müssen?
  • die Weigerung... der Produktionsfirmen, die Filmschaffenden an künftigen Erlösen zu beteiligen ?
  • die Verstöße... gegen Gesetze und Tarifregeln, die inzwischen zum Alltag gehören?
  • die Bezahlung... der Praktikanten, die inzwischen aus Spenden des Teams geleistet wird?
  • oder vielleicht den Hund am Set... der mehr verdient als viele Schauspielerkollegen?

Viele Fragen, die zu der einen, alles Entscheidenden führen:

Gehen wir jetzt alle baden?

Ja, genau das tun wir, und zwar am 25. Juni ab 12 Uhr am Stachus-Brunnen.

Denn Schauspieler wissen: „Den König spielen immer die anderen.“ Das bedeutet: Ohne den Hofstaat sieht der König alt aus. Der „Hofstaat“ aber, das sind die vielen hervorragenden, aber nicht prominenten Kollegen, die inzwischen oft weniger verdienen als Tiere am Set. Die Gagen der Schauspieler auch die der „Könige“ sind in den letzten Jahren um bis zu 50 % gesunken.

Die „Könige“ gehen dadurch zwar nicht zwangsläufig baden, der „Hofstaat“ aber schon. Deshalb tun wir Schauspieler es gleich alle gemeinsam. Kommen Sie näher, halten Sie ruhig ihre Kamera drauf und sehen Sie es sich daheim auf dem Rechner an. Toller Film!  Und dazu garantiert kostenneutral und urheberrechtslos! Finden Sie? - Dann brauchen Sie jetzt nicht weiterzulesen.

Wir dagegen finden plantschende Menschen nicht abendfüllend. Darum fordert der Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler mit inzwischen mehr als 1800 Mitgliedern:

  1. Wertschätzung von Qualität: Sie muss wieder mindestens so ernst genommen werden wie die Quote.
  2. Keine Dumping-Finanzierung: Fiktionale Programme müssen mit einem Etat ausgestattet werden, mit dem sich Qualität produzieren lässt. Inklusive fairer Bezahlung derjenigen, die sie herstellen.
  3. Kein Missbrauch von Spielfreude: Sie darf nicht als Grund missbraucht werden, Schauspieler nicht zu bezahlen.
  4. Kostenverantwortung: Produktionsfirmen müssen verbindlich die Kosten übernehmen, die den Schauspielern entstehen um für sie arbeiten zu können (Reise-, Übernachtungs- und Castingkosten).
  5. Ausbildungsverantwortung: Produktionsfirmen müssen die Kosten für die billige Arbeit der Praktikanten übernehmen und sie nicht von ihren Angestellten begleichen lassen.
  6. Einhaltung der bestehenden Arbeitsgesetze: Arbeitszeiten und Arbeitsschutz müssen eingehalten werden.
  7. Durchsetzung der Erlösbeteiligung: Die Filmkreativen müssen für die Schöpfung von Kultur wertgeschätzt werden und an der Verwertungskaskade teilnehmen, wie es das Urhebergesetz verlangt.
  8. Faire Gagen: SchauspielerInnen müssen deutlich besser bezahlt werden als Tiere, für die es ab 350 Euro aufwärts gibt.

BFFS
Die Schauspieler

...und mit uns die Kultur!